31.10.2013
Stellungnahme des DIÄTVERBANDes zum wissenschaftlichen Gutachten der EFSA „Nährstoffbedarf und Nährstoffversorgung von Säuglingen und Kleinkindern in der Europäischen Union“
Bonn – Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat auf Ersuchen der Europäischen Kommission ein wissenschaftliches Gutachten zum Nährstoffbedarf und zur Nährstoffzufuhr von Säuglingen und Kleinkindern in der Europäischen Union erstellt und gemeinsam mit einer Pressemitteilung am 25. Oktober 2013 veröffentlicht. Die Wissenschaftler haben aktualisierte Empfehlungen zur optimalen Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern im Alter von bis zu drei Jahren vorgelegt und mit der tatsächlichen durchschnittlichen Nährstoffaufnahme verglichen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass Kleinkindernährung in Europa nicht optimal ist. Säuglinge und Kleinkinder nehmen zuviel Energie, Proteine, Salz und Kalium, aber zu wenig Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Vitamin D und Jod auf. Der EFSA zufolge sollte den Nährstoffdefiziten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Im Zuge ihres Gutachtens hat sich die EFSA auch zur Rolle sog. „Kindermilch“ in der Ernährung von Kleinkindern geäußert. „Kindermilch“ ist mit den Nährstoffen Jod, Eisen, Vitamin D angereichert und im Eiweißgehalt reduziert. Zudem ist die Fettqualität optimiert, indem wichtige Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zugesetzt sind. Der Titel der EFSA-Pressemitteilung „’Wachstumsnahrung’: Laut EFSA kein Mehrwert gegenüber ausgewogener Ernährung“ kann nach Auffassung des DIÄTVERBANDes gegebenenfalls zu Missverständnissen führen, gerade in Bezug auf die Bewertung sog. „Kleinkindmilchen“.
Daher möchte der DIÄTVERBAND mit den folgenden Hinweisen zu einem richtigen Verständnis beitragen:
- Die EFSA weist darauf hin, dass Säuglinge und Kleinkinder in Europa zuviel Energie, Proteine, Salz und Kalium, aber zu wenig Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Vitamin D und Jod aufnehmen. Die Aufnahmewerte für Proteine, Salz, Kalium und Ballaststoffe seien zwar nicht besorgniserregend, die generell hohe Energiezufuhr könne jedoch zu einem ungünstigen Anstieg des Körpergewichts führen.
Der EFSA zufolge sollte besonders den genannten Nährstoffdefiziten bei Ballaststoffen, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Vitamin D und Jod besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. - Die Unterversorgung kann bei Kleinkindern im Alter von 1 bis 3 Jahren laut EFSA auf unterschiedlichem Wege vermieden werden:
- Über eine ausgewogene Ernährung beispielsweise mit einer Familienkost, die nach den Empfehlungen des Dortmunder Forschungsinstitutes Kinderernährung (FKE) „optimierte Mischkost ‚OPTIMIX’“ zubereitet wird. Ein Konzept für die Ernährung von Kindern, dass alle ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen berücksichtigt.
- Eine Verbesserung der Zufuhr der kritischen Nährstoffe kann laut EFSA auch mit folgenden Möglichkeiten erreicht werden: Muttermilch, Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung, Kindermilch, angereicherte Kuhmilch, angereicherte Getreideprodukte und Getreidebeikost, Nahrungsergänzungsmittel oder durch frühzeitige Einführung von Fleisch und Fisch als Beikost.
- Da Kindermilch nicht ‚alternativlos’ ist, sieht die EFSA in den Produkten allerdings auch keine Erzeugnisse mit einem ‚Alleinstellungsmerkmal’ (‚unique role’), die zur Zufuhr der kritischen Nährstoffe bei Kleinkindern ‚unverzichtbar’ seien.
- Der DIÄTVERBAND möchte hierzu erläuternd anmerken, dass im gesamten Lebensmittelbereich nur ein einziges Produkt existiert, das ein solches grundlegendes Alleinstellungsmerkmal aufweist und für die Ernährung ‚unverzichtbar’ ist: „Säuglingsanfangsnahrung“. Wenn eine Mutter nicht stillen kann oder nicht stillen möchte, ist nur dieses Produkt für sich allein geeignet, einen Säugling bis zur Einführung angemessener Beikost zu ernähren. In keiner anderen Lebensphase kommt einem Lebensmittel eine derartige ‚einzigartige Rolle’ zu. Selbst dem berühmten ‚täglichen Apfel’ („An apple a day keeps the doctor away“) kommt diese Funktion nicht zu.
- Der DIÄTVERBAND begrüßt die Darstellung der EFSA, wonach Kindermilch eine Alternative ist, die kritischen Nährstoffe zuzuführen. Dass diese Alternative laut EFSA nicht „wirkungsvoller“ ist, als eine ausgewogene Ernährung, wie zum Beispiel nach optimierter Mischkost, oder die anderen, weiter oben genannten Alternativen (Muttermilch, Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung, angereicherte Kuhmilch, Nahrungsergänzungsmittel etc.) ist unbestritten und liegt in der Natur der Sache.
- Der DIÄTVERBAND begrüßt ferner die Befunde der EFSA zum Versorgungsstatus von Säuglingen und Kleinkindern in Europa ausdrücklich. Er hatte auf die nicht ausreichende Versorgung bei den Nährstoffen Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Vitamin D, Jod und bei Ballaststoffen verschiedentlich hingewiesen. Die Klarstellungen der EFSA werden hoffentlich dazu beitragen, stärker für die gesunde Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern zu sensibilisieren.
- Die im DIÄTVERBAND zusammengeschlossenen Unternehmen haben viele spezielle Kleinkinderlebensmittel entwickelt, die als Convenience Produkte das Konzept der „Optimierten Mischkost“ für die Zubereitung der Familienkost ergänzen und so einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung von Kleinkindern liefern.
Quelle: Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung (DIÄTVERBAND) e.V.
http://www.diaetverband.de
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